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Studie: Atomkraftwerke verstopfen Stromnetze

14. Juni 2018

Studie: Atomkraftwerke verstopfen Stromnetze

Quelle: www.iwr.de

Brigitte Zypries hat am vergangenen Freitag (27.01.17) das Amt als Bundeswirtschaftsministerin von Sigmar Gabriel übernommen. Der scheidende Wirtschaftsminister wurde mit viel Lob verabschiedet – u.a. vom Chef der Deutschen Energiegagentur, Andreas Kuhlmann. Gabriel habe in seiner Amtszeit endlich wieder Ordnung in das „Generationenprojekt Energiewende“ gebracht.

Doch Lob verdient Gabriel nur aus Sicht der großen Strom- und Mineralölkonzerne. In puncto Bürgerenergie und dezentraler Energieversorgung hinterlässt er dagegen einen Scherbenhaufen. Statt Bürgerwindparks faire Chancen einzuräumen, hat er mit Einführung der Ausschreibungen großen, finanzstarken Projektgesellschaften das Feld überlassen. Auch Eigenverbrauchslösungen mit Photovoltaikanlagen sind passè: Noch nie wurden seit 2006 so wenig Solaranlagen installiert wie im vergangenen Jahr. Und anstatt den Bürgern die Vorteile der Energiewende zu erklären, hat der Minister viel Zeit und Kraft mit der Kritik an der steigenden EEG-Umlage verschwendet. Dabei ist dieser künstlich berechnete Kostenfaktor auch nur ein Produkt aus seinem Hause. Als vermeintliche Lösung hat er mit der „Sonnensteuer“ die anteilige EEG-Umlage auf Solarstrom erhoben – ohne Erfolg, denn die Umlage ist weiter gestiegen. Die Sonnensteuer als Bremser des Eigenverbrauchs ist trotzdem geblieben.

Die nächste große Baustelle, die er hinterlässt, ist der Verkehrssektor. Biokraftstoffe dümpeln bei 5 % dahin. Jetzt plant die EU-Kommission auch noch, Biosprit aus landwirtschaftlichen Rohstoffen wie Biodiesel oder Ethanol den Garaus zu machen. In Berlin geht es aber scheinbar nur noch um Elektromobilität. Doch auch hier ging Gabriel nur halbherzig zu Werke: Indem er den Ausbau von Wind-, Solar- und Biogasanlagen per Gesetz deutlich abbremste, ließ er die Frage offen, woher denn nach Atom- und Kohleausstieg der Strom für Millionen E-Fahrzeuge kommen soll. Zudem machen unsinnige Umlagen Power-to-Gas-Anlagen unwirtschaftlich, die Wasserstoff und synthetisches Gas aus überschüssigem Windstrom produzieren könnten.

Alle diese Probleme wird Zypries bis zur Bundestagswahl nicht lösen können – schon gar nicht, weil sich neben Gabriel auch ihr Staatssekretär-Kollege Rainer Baake als Feind der dezentralen Energiewirtschaft erwiesen hat. Feststeht nur: Für Lob nach Gabriels Abgang gibt es keinen Grund.



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Hamburg - Eigentlich gilt ein Einspeisevorrang für erneuerbare Energien. Doch das steht offenbar nur auf dem Papier. Nach einer Studie werden Wind- und Solaranlagen abgeschaltet, während gleichzeitig in der Nähe gelegene Atomkraftwerke weiterlaufen.

Die Abregelungen von erneuerbaren Energien-Anlagen bei gleichzeitig ungebremster Atomstrom-Produktion sollen sich die Abregelungskosten laut Greenpeace Energy allein für 2017 auf knapp 200 Millionen Euro belaufen. Die Novelle des Atomgesetzes könnte eine Verschärfung der angespannten Situation zur Folge haben.

 

Kein Einspeisevorrang: Wind- und Solaranlagen werden abgeschaltet - AKW laufen

Mehr als die Hälfte des Jahres 2017 durften norddeutsche Windkraftanlagen und Solaranlagen keinen Strom produzieren, während Atomkraftwerke in ihrer Nähe weiterliefen. Dies ergibt eine aktuelle Untersuchung des Analyseinstituts Energy Brainpool im Auftrag des Ökoenergieanbieters Greenpeace Energy. „Eigentlich müssten laut gesetzlichem Einspeisevorrang für erneuerbare Energien bei Netzengpässen zunächst die AKWs herunterfahren“, sagt Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy. In 4.872 Stunden des vergangenen Jahres 2017 wurden jedoch nicht sie, sondern Windparks und Solarkraftwerke in ihrer Nähe ausgebremst, stellten die Experten von Energy Brainpool fest. Betroffen waren Hunderte erneuerbare Energien-Anlagen mit zusammen durchschnittlich 455 Megawatt Leistung. Dadurch gingen 2.175 Gigawattstunden Ökostrom verloren – für die den Betreibern Entschädigung zusteht, teilte Greenpeace Energy mit. Die Kosten belaufen sich nach einer Hochrechnung auf 200 Mio. Euro. Zumindest ein Teil der Entschädigungszahlungen hätte demnach vermieden werden können, wenn Atomkraftwerke abgeregelt worden wären.

Sorge vor Novelle des Atomgesetzes - wohin mit dem Atomstrom?

Hintergrund des Gerangels ist die anstehende Novelle des Atomgesetzes in Verbindung mit dem Netzausbaugebiet, in dem EE-Anlagen wegen der angespannten Netzsituation nur eingeschränkt zugebaut werden dürfen. Bis Ende Juni 2018 wird die Novelle des Atomgesetzes im Bundestag beraten. Darin soll unter anderem geregelt werden, ob sogenannte Reststrommengen von Atomkraftwerken, die nicht mehr in Betrieb sind, auf andere Meiler übertragen werden dürfen, um diese länger laufen zu lassen. Befürchtet wird vor allem, dass u.a. die im Netzausbaugebiet befindlichen Atomkraftwerke Brokdorf in Schleswig-Holstein und Emsland in Niedersachsen im Falle einer Mehrproduktion dafür sorgen, dass mehr EE-Anlagen abgeschaltet werden müssen und die Verbraucher dann die Kosten tragen müssen.

Aktuell produzieren Atomkraftwerke nur mit 6.500 MW Leistung

In Deutschland sind noch die sieben Atomkraftwerke Philippsburg 2 (1486 MW), Grohnde (1430 MW), Gundremmingen C (1344 MW), Brokdorf (1480 MW), Neckarwestheim 2 (1400 MW), Isar II (1485 MW) und Emsland (1406 MW) mit einer Gesamtleistung von 10 013 MW in Betrieb. Seit Januar 2018 fällt die stromproduzierende AKW-Leistung in Deutschland kontinuierlich. Waren im Januar 2018 noch AKW mit einer Leistung von über 9000 MW in Betrieb und produzierten Strom, ist diese Leistung unter Schwankungen, aber kontinuierlich zurückgegangen. Anfang Juni 2018 erzeugen die Atomkraftwerke in Deutschland nur noch mit einer Leistung von 6500 MW Strom.

 

Brigitte Zypries hat am vergangenen Freitag (27.01.17) das Amt als Bundeswirtschaftsministerin von Sigmar Gabriel übernommen. Der scheidende Wirtschaftsminister wurde mit viel Lob verabschiedet – u.a. vom Chef der Deutschen Energiegagentur, Andreas Kuhlmann. Gabriel habe in seiner Amtszeit endlich wieder Ordnung in das „Generationenprojekt Energiewende“ gebracht.

Doch Lob verdient Gabriel nur aus Sicht der großen Strom- und Mineralölkonzerne. In puncto Bürgerenergie und dezentraler Energieversorgung hinterlässt er dagegen einen Scherbenhaufen. Statt Bürgerwindparks faire Chancen einzuräumen, hat er mit Einführung der Ausschreibungen großen, finanzstarken Projektgesellschaften das Feld überlassen. Auch Eigenverbrauchslösungen mit Photovoltaikanlagen sind passè: Noch nie wurden seit 2006 so wenig Solaranlagen installiert wie im vergangenen Jahr. Und anstatt den Bürgern die Vorteile der Energiewende zu erklären, hat der Minister viel Zeit und Kraft mit der Kritik an der steigenden EEG-Umlage verschwendet. Dabei ist dieser künstlich berechnete Kostenfaktor auch nur ein Produkt aus seinem Hause. Als vermeintliche Lösung hat er mit der „Sonnensteuer“ die anteilige EEG-Umlage auf Solarstrom erhoben – ohne Erfolg, denn die Umlage ist weiter gestiegen. Die Sonnensteuer als Bremser des Eigenverbrauchs ist trotzdem geblieben.

Die nächste große Baustelle, die er hinterlässt, ist der Verkehrssektor. Biokraftstoffe dümpeln bei 5 % dahin. Jetzt plant die EU-Kommission auch noch, Biosprit aus landwirtschaftlichen Rohstoffen wie Biodiesel oder Ethanol den Garaus zu machen. In Berlin geht es aber scheinbar nur noch um Elektromobilität. Doch auch hier ging Gabriel nur halbherzig zu Werke: Indem er den Ausbau von Wind-, Solar- und Biogasanlagen per Gesetz deutlich abbremste, ließ er die Frage offen, woher denn nach Atom- und Kohleausstieg der Strom für Millionen E-Fahrzeuge kommen soll. Zudem machen unsinnige Umlagen Power-to-Gas-Anlagen unwirtschaftlich, die Wasserstoff und synthetisches Gas aus überschüssigem Windstrom produzieren könnten.

Alle diese Probleme wird Zypries bis zur Bundestagswahl nicht lösen können – schon gar nicht, weil sich neben Gabriel auch ihr Staatssekretär-Kollege Rainer Baake als Feind der dezentralen Energiewirtschaft erwiesen hat. Feststeht nur: Für Lob nach Gabriels Abgang gibt es keinen Grund.



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